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Radtour zur Seehund-Aufzucht-Station und weiter nach Norden
Unsere heutige Radtour starten wir im Hafen von Norddeich. Hier an der Norddeich Mole ist der Hauptabfahrpunkt für die Reederei Norden-Frisia mit Verbindungen nach Norderey und Juist. Die Fähren verkehren mehrmals täglich und bieten eine Überfahrt von Norddeich zu den Inseln, die etwa 60 Minuten dauert.
Die Fähren sind tideunabhängig, was bedeutet, dass sie fast immer nach einem festen Zeitplan fahren können, es sei denn, es gibt extreme Wetterbedingungen.
Direkt am Fähranlegen treffen wir wieder auf eine bemalte Seehund-Skulptur. Die farbenfrohen Seehund-Figuren sind Teil von Kunstprojekten oder Aktionen der lokalen Reederei Frisia und sind schön anzusehen. Die Bemalung zeigt maritime und regionale Motive. Auf der Brust trägt sie das markante blau-gelb gestreifte Wappen der Reederei Norden-Frisia, die den Fährverkehr zu den zwei ostfriesischen Inseln betreibt.
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Hier kommt uns der gelbe Nordsee-Express entgegen. Der Touristenzug, auch Bimmelbahn genannt, wird für einen Ausflug in und um Norddeich eingesetzt. Es handelt sich um eine gängige Wegebahn mit Straßenzulassung, die meist aus einer Zugmaschine im nostalgischen Lokomotiv-Design und angehängten Waggons mit Panoramafenstern besteht. Sie bietet den Besuchern die Gelegenheit, das Nordseebad Norddeich einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben. Die Tour beginnt am Wellenbad, danach geht es am Strand vorbei zum Campingplatz und zum Hafen. Anschließend fährt die Bahn die gleiche Strecke wieder zurück.
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Wir nehmen nicht die Bimmelbahn, sondern fahren mit unseren Fahrrädern zur Seehundstation. Eine liegende bronzene Seehund-Skulptur mit der Aufschrift „Norddeich“ steht als dekoratives Fotomotiv vor dem Fremdenverkehrsbüro, nahe dem Wellenpark und der Seehundstation. Diese Robben-Skulptur weist symbolisch auf die Arbeit der Seehundstation hin, die verwaiste Heuler aufnimmt und großzieht. Viele dieser Figuren wurden im Rahmen von Kunstprojekten oder von Schulen individuell bemalt.
Das Erlebnisbad Ocean Wave, bei den Urlaubern oft nur Wellenbad genannt, ist ein maritimes Meerwasser-Wellenbad mit einer 105 Meter langen Rutsche und einer großen Saunalandschaft. Der markante geschwungene Gebäudekomplex ist einem Kreuzfahrtschiff nachempfunden und beherbergt neben dem Meerwasser-Wellenbad auch ein Restaurant und Freizeiteinrichtungen.
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Vor dem Ocean Wave steht auf einer Grünfläche der historische Traditions-Fischkutter „Frisia“. Er wurde originalgetreu restauriert und ist heute ein beliebtes Fotomotiv direkt an der Zufahrtsstraße zum Erlebnisbad sowie der Seehundstation.
 Für uns geht es nun in die Seehund-Aufzucht-Station. Die Station ist zuständig für das gesamte niedersächsische Wattenmeer, das als Nationalpark und Weltnaturerbe besonderen Schutz genießt. Es passiert immer wieder, dass junge Seehunde von ihrer Mutter getrennt und fernab vom Wurfplatz angetrieben werden. Sind junge Seehunde von der Mutter getrennt, heulen sie – genau wie bei uns Menschen. Das ist im Sommer zu hören, denn dann ist die Wurf- und Aufzuchtzeit. Meist kommt die Mutter zurück. Wenn sie aber länger fernbleibt, brauchen die Jungen Hilfe. Die verwaisten Tiere finden in Norddeich vorübergehend ein neues Zuhause.
Dort zieht in der Seehundstation Nationalpark Haus ein Team von Profis und freiwilligen Helfern die sogenannten „Heuler“ auf und versorgt auch verletzte Robben, bis sie wieder in die Nordsee ausgewildert werden und dort überleben können. Die Aufgaben der Seehundstation umfassen im Wesentlichen drei Themenkomplexe: Das Aufziehen und Auswildern der Heuler, die Erforschung der Seehunde und den Schutz seines Lebensraumes sowie Öffentlichkeitsarbeit. Herausragende Bedeutung im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit haben die mehr als 250.000 Besucher, die die Station jährlich besuchen und informiert werden – und wir gehören heute dazu.
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Die süßen, mopsigen jungen Seehunde in ihren Schaubecken ziehen uns in ihren Bann. Hier werden jährlich zwischen 80 und 150 verwaiste Seehundbabys aufgezogen. Die naturnahen Becken mit Unterwasserfenster bieten ständige Beobachtungsmöglichkeiten für die Besucher.
Der direkte medizinische Aufzuchtbereich der jungen Heuler ist für Besucher zum Schutz der Wildtiere leider nicht zugängig, so begnügen wir uns die Robben in der naturnah gestalteten Beckenanlage im und sogar unter Wasser sowie auf den Liegeflächen durch große Glasscheiben anzusehen.
Die Ausstellungsräume der Seehundstation bieten eine interaktive, familienfreundliche Erlebnisausstellung. Hier dreht sich alles um Seehunde, Kegelrobben und das Wattenmeer. Tafeln, Modelle und Filme bieten umfassende Informationen über die Seehunde im Nationalpark Wattenmeer und den Meeresschutz.
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Die Seehundstation dient zudem der Sammlung aller erreichbaren Daten über den Seehund und seinen Lebensraum. Wir erfahren wie viele Kilometer ein ausgewilderter weiblicher Seehund und eine männliche Kegelrobbe in etwa zurückgelegt haben, denn sie waren für einige Monate mit einem Sender ausgestattet. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich von Hand aufgezogene Robben nach ihrer Auswilderung problemlos in der offenen Nordsee bewegen.
In dieser Ausstellung haben wir so einiges über das Leben der Seehunde und ihren natürlichen Lebensraum, das Wattenmeer, erfahren. Es war ein interessanter Vormittag. Der Eintritt war zwar nicht gerade günstig, doch die Einnahmen kommen direkt der Pflege und Auswilderung der verwaisten Seehunde – Heuler – zugute.
Direkt hinter dem Erlebnisbad Ocean Wave und der Seehundstation liegt der Wellenpark. Es ist eine frei zugängliche Parklandschaft, die über wellenartig modellierte Rasenflächen führt und das Thema Wasser spielerisch im Mittelpunkt steht. Das Highlight ist ein kleiner Teich mit einer Seilfähre, auf der Kinder sich selbst als Fährmänner über das Wasser ziehen können.
Ferner gibt es verschiedene Ausprobierstationen. Kinder bringen als Maschinist die Schiffsschraube, die das Fließwasser treibt, in Gang oder pumpen an einem großen ausgemusterten Seezeichen mithilfe einer archimedischen Spirale das kühle Nass in die Höhe. Es ist ein kleiner Park zum Spazierengehen, Entspannen und bietet gleichzeitig Unterhaltung für die Jüngsten.
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Auch hier treffen wir wieder auf eine bunt bemalte Seehundfigur. Es handelt sich um eine kunstvoll und maritim gestaltete, farbenfrohe Robben-Skulptur, die direkt auf einer Backsteinmauer am Eingangsbereich zum Wellenpark steht.
Von hier radeln wir noch einmal in den nur 2,5 km entfernten Ort Norden. Die Westgarter Mühle mit seinem wunderschönen, idyllischen Gartenbereich unter knorrigen Apfelbäumen hat es uns angetan. Hier suchen wir uns ein gemütliches Plätzchen und genießen den frischen Rosinenstuten mit Blaubeermarmelade und einem Ostfriesentee, mit Blick auf die historische Mühle.

Zum Abschluss unseres Besuchs geht es noch einmal in den idyllischen, naturnahen Garten mit üppigen Wildstauden und blühenden Mohnblumen und den verschiedensten Lebensmitteln. Der Garten wirkt lebendig und naturbelassen, eingerahmt von großen Bäumen im Hintergrund.
Gut gestärkt fahren wir nun zur Ludgerikirche, sie steht im Zentrum des Marktplatzes. Haben wir die Kirche mit ihrem separaten Glockenturm bereits bei unserer letzten Fahrradtour fotografiert, wollen wir uns nun Zeit lassen und das Innere der Kirche ansehen. Die aus dem 13. Jahrhundert stammende Ludgerikirche ist mit rund 80 Metern Länge der größte erhaltene mittelalterliche Sakralbau Ostfrieslands und der älteste Gebäudeteil. Er weist eine besonders reiche Ausstattung auf.
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Wir stehen im Mittelschiff und unser Blick geht zum Altarraum mit gotischen Backsteingewölben und der reich verzierten holzgeschnitzten Barockkanzel von 1712. Am Kanzelkorb befinden sich Skulpturen von Jesus als Retter der Welt, Johannes dem Täufer, den Evangelisten und den Aposteln.
 Im Hintergrund, markant an der Seite eingebaut, befindet sich die weltberühmte barocke Arp-Schnittger-Orgel (erbaut 2686-1692). Es ist das zweitgrößte erhaltene Werk des berühmten Orgelbauers in Deutschland.
In den Jahren 1981 und 1985 wurde die Orgel umfassend durch den Orgelbauer Jürgen Ahrend restauriert, um den originalen Klangreichtum der Barockzeit wiederherzustellen.

Das Gestühl und die Emporen wurden erst nach der Reformation im 17. Jahrhundert eingebaut, damit die Gemeinde den langen Predigten sitzend folgen konnte. Wohlhabende Familien erwarben eigene Sitze. Die Türchen des ebenerdigen Kastengestühls sind vereinzelt noch mit Wappen, Hausmarken, Monogrammen und Jahreszahlen versehen, die vom einstigen Privatbesitz zeugen. Die geschlossene, schlichte Bauweise sorgte in früheren Zeiten dafür, die Wärme einfacher Fußwärmer, in denen ein Stück Torf glühte, zu halten.

Etwa im frühen 14. Jahrhundert wurde die Kirche im Osten um ein Querschiff mit drei Kreuzgewölben erweitert. Aber erst mit Vollendung des alles überragenden dreischiffigen Hochchors, der vermutlich 1455 fertiggestellt war, erhielt die Ludgerikirche ihre heutige Gestalt.
Es zeichnet sich durch ein hohes, lichtdurchflutetes Mittelschiff mit Kreuzrippengewölben, roten Backsteinpfeilern und einen umgangsförmigen Chorschluss aus.
Im Inneren des größten historischen Sakralbaus Ostfrieslands befindet sich an der Stirnwand des Chors ein historischer Schriftaltar, der in den Jahren 1576/77 aus einem früheren gotischen Flügelaltar hervorgegangen ist.
Die beiden großen Maßwerkfenster in den Giebelwänden des Querschiffs wurden erst Ende des 19. Jahrhunderts nachträglich eingebaut. Das Nordfenster zeigt im zentralen, farbigen Mittelteil des gotischen Spitzbogenfensters eine detaillierte Darstellung des Reformators Martin Luther und wurde zur Erinnerung an die Lutherfeiern von 1883 (zu seinem 400. Geburtstag gestiftet). Das Südfenster liegt dem Lutherfenster direkt gegenüber und bildet das lutherische Glaubensbekenntnis ab.
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In der Kirche befindet sich auch das Grabmal des Unico Manninga. Es wurde 1678, genau 90 Jahre nach seinem Tod, hier angebracht oder neu errichtet. Der Verstorbene wird liegend und betend dargestellt. Das steinerne Grabdenkmal wurde für Unico Manninga, den Drost von Lütetsburg und Ahnherrn der Grafen und Fürsten zu Inn- und Knyphausen auf Schloss Lütetsburg errichtet. Über ihm befindet sich, umrahmt von Familienwappen, ein Relief, das die Auferstehung Jesu zeigt.

Am Ende unseres Rundgangs stehen wir vor einem modernen Gebetsleuchter. Der Leuchter ist als kunstvolle, abstrakte Metallkugel gefertigt, die auf einer dunklen, eckigen Stele montiert ist. Die organischen Aussparungen im Metall geben den Blick auf das Innere frei. Im Inneren der Kugel befinden sich Halterungen für insgesamt 50 Kerzen.
Noch tief beeindruckt von dem größten Sakralbau Ostfriesland, seiner monumentalen Architektur sowie der besonders reichen Ausstattung stehen wir wieder auf dem Marktplatz und radeln Richtung Osterstraße. Die Straße beherbergt bedeutende historische Bauten aus dem 16. bis 19. Jahrhundert.
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Das bekannteste und wertvollste alte Gebäude dort ist das Schöninghsches Haus aus dem Jahr 1576. Es ist ein reich dekoriertes Bürgerhaus mit figürlichem Giebelschmuck und Herkules-Darstellungen. Benannt ist das denkmalgeschützte Gebäude nach seinem ehemaligen Besitzer Wilhelm Peter Schöningh.
 Nur wenige Schritte von der Osterstraße 5 stehen wir vor der Hausnummer 17, einem markanten Eckgebäude aus dem Jahr 1899. Die Klinkerfassade weist dekorative weiße Putzelemente, geschweifte Zwerchgiebel und Jugendstileinflüsse auf. Auf der Giebelseite über dem Balkon ist deutlich der historische Schriftzug „G. ADELMANN“ eingearbeitet.
Auch dieses Gebäude steht unter Denkmalschutz und beherbergte über viele Jahrzehnte das bekannte lokale Spielwarengeschäft Adelmann.

Weiter geht es mit dem Fahrrad die Osterstraße entlang, bis zur kath. Pfarrkirche St. Ludgerus. Geweiht wurde der rote Backsteinbau im Okt. 1885 und versorgt heute rund 4600 Katholiken in der Region.
Durch die Nähe zur Küste gestalten Urlaubs- und Kurgäste das Gemeindeleben intensiv mit. Von 2015 bis 2018 wurde das Gebäude außen umfassend instand gesetzt.

Wir betreten das Innere der Kirche und schauen zum Chorbereich mit Blick auf den Altar. Der Bereich wird durch 3 hohe Rundbogenfenster, eine rötlich getönte Apsis und ornamentale Wandgestaltungen im schlichten Sakralstil geprägt. Im Vordergrund steht ein massiver Volksaltar. Die Vorderseite ist mit feinen Steinmetzarbeiten und Ornamenten verziert. In der Mitte befindet sich ein rundes Bronze- oder Metallrelief.

Eine Orgel erhielt die Kirche im Jahre 1890. Erbaut auf einer Empore von dem Orgelbauer Johann Diepenbrock. Im Jahr 2007 ersetzte die Firma Westfälischer Orgelbau S. Sauer das Innenleben, wobei das historische Äußere erhalten blieb. Beim Blick hinauf zur Orgel fällt uns auch die kunstvolle Kassettendecke aus Holz ins Auge.

Nun fahren wir zum Marktplatz zurück. Am Rande des Platzes, direkt vor der Friedhofsmauer steht das Bismarck Denkmal.
Die Statue zu Ehren des ersten Reichskanzlers Fürst Otto von Bismark wurde am 5. Mai 1901 feierlich enthüllt. Die Bronzestatue steht auf einem massiven Sockel aus Grantquadern.
Zurück nach Norddeich zu unserer Ferienwohnung geht es durch wunderschöne Siedlungsstraßen von Norden. Abseits der großen Durchgangsstraßen in den alten Wohngebieten zeigen sich die hauseigenen Grünanlagen besonders idyllisch. Wir blicken auf akkurat geschnittene Ligusterhecken, die üppige Rosenbeete mit rosafarbenen und gelben Blüten einfassen.
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Viele Anwohner setzen auf insektenfreundliche Blühpflanzen, kombiniert mit Hortensien und gepflegte, offene Beete statt auf Schotter. Die Stadt fördert zudem aktiv die naturnahe und lebendige Umgestaltung von Gärten.
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