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Ein Tag im historischen Landschaftsgarten des Schloss Lütetsburg
Nur 8 km südlich der Wattenmeerküste liegt das Schloss Lütetsburg mit seiner 30 ha großen Parkanlage. Das Lütetsburger Schloss ist ein Wasserschloss, welches in den 60er Jahren, nach einem verheerenden Brand, in seiner heutigen Form wieder aufgebaut wurde. Mit dicken Mauern, einem tiefen Wassergraben und zwei Türmen.
Auf zwei Säulen neben der Zufahrtsbrücke wacht das Wappentier – ein steinerner Löwe – über die Schlossbewohner. Es besteht aus einem Wohnhaus, einer Vorburg und einem Park. Hier lebt seit Generationen die Grafenfamilie derer zu Inn- und Knyphausen. Eine Besichtigung des privat bewohnten Schlosses ist nicht möglich.
Der größte private englische Landschaftsgarten in Norddeutschland öffnet jedoch seine Tore für die Besucher. Sind wir gestern bereits mit dem Fahrrad an seinen Außengrenzen vorbei geradelt, wollen wir ihm heute einen Besuch abstatten. Gegen einen kleinen Obolus in Höhe von 3,00 Euro am Drehkreuz-Eingang lädt der ca. 30 ha große Park zu Spaziergängen ein.
Die Parkanlage beruht auf den historischen Plänen von 1790 und wurde zwischen 1790 und 1813 von Reichsfreiherr Edzard Mauritz zu Inn- und Knyphausen im frühromantischen Stil gestaltet. Heute gehört er zu den wenigen erhaltenen Beispielen dieses Typs auf dem europäischen Kontinent. Durch das historische Eingangstor, mit seinen markanten, quadratischen Backsteinpfeilern und den steinernen Schalenelementen betreten wir den weitläufigen Schlosspark.
Durch den Park führt ein Wegenetz von ca. 5 km Länge. Die Anlage ist von Wasserläufen mit malerischen Brücken und dichtem Grün durchzogen. Nach dem Tod Edzard Mauritz zu Inn- und Knyphausen wurden durch dessen Nachkommen strukturelle Umgestaltungen vorgenommen. Es wurden damals umfangreiche Neuanpflanzungen mit Rhododendren und später auch Azaleen durchgeführt, deren spektakuläre Blütenpracht den Garten im Mai erstrahlen lässt.
Kurz hinter dem Eingang stehen wir in einer grünen Oase und sehen eine malerische Steinbrücke über einen kleinen Bach. Die Brücke ist bekannt für ihre markanten Balustraden, die – wie viele andere Parkskulpturen – aus Elementen des früheren Schlosses, kreativ als Brückengeländer integriert wurden. Eingerahmt von zwei großen Rhododendrenbüschen mag diese Brücke in der Blütezeit der Sträucher ein noch schöneres Fotomotiv sein.
Unser Spaziergang geht auf prächtigen Alleen mit wunderschönen Bäumen, über verschlungenen Pfaden und an idyllischen Gewässern mit dichtem Uferbewuchs vorbei. Wir sind begeistert von den unterschiedlichen Grüntönen der weit über 150 Baum- und Straucharten.
Es stehen viele kleine Bauten im Park, wie z. B. den runden Freundschaftstempel. Der achteckige Pavillon wurde 1797 errichtet. Es ist ein sogenannter „Teepavillon“ mit einem charakteristischen Reetdach. Das charmante Bauwerk wird gern als malerische Kulisse für standesamtliche Trauungen genutzt. Es bietet Platz für ca. 30-40 Personen. Über der Tür lautet die Inschrift „Der Freundschaft gewidmet“.
Mitten im Grünen steht ein historisches Schmiedebecken (im Internet auch als Zierbecken oder historischer Taufstein wahrgenommen). Das verwitterte, schalenförmige Becken mit Patina ruht auf einem gemauerten Sockel und einer hellen Steinsäule. Es dient heute als markantes historisches Gestaltungselement auf dem Weg zum Freundschaftstempel.
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Von einem Weg schauen wir auf die Rückseite des Schlosses, einem schlichten Backsteinbau, mit seiner gepflegten Rasenfläche und dem charakteristischen Turmaufbau. Die Umgebung um das Schloss ist Privatbesitz, doch bietet der große Landschaftsgarten weitläufige Spazierwege mit einem wunderschönen alten Baumbestand.
Immer stehen an unserem Weg markante Pflanzen, so z.B. der große Fächer-Ahorn, der besonders für sein tiefrotes Laub und seine elegante Wuchsform geschätzt wird. Er wurde als Blickfang vor einer weißen Brücke platziert und den Hintergrund bildet eine mächtige, hoch aufragende Stieleiche.

Auf einem malerischen Weiher, der dicht bewachsen mit Bäumen und großen Rhododendrenbüschen ist, hat ein Höckerschwan sein Nest aus Schilf und Wasserpflanzen auf einer kleinen Erhebung gebaut, um seinen Nachwuchs vor Feinden zu schützen.

Im Hintergrund des Weihers, auf der „Insel der Seligen“ steht seit 1793 eine Sandsteinpyramide.
Sie erinnert an die Mutter und die verstorbene erste Frau des Erbauers Edzard Mauritz Freiherr von Inn- und Knyphausen.
Der Garten ist ein Gesamtkunstwerk, das durch seine Vielfalt ständig neue Perspektiven bietet. Gemütliche Bänke am Wegesrand laden zum Verweilen und Entspannen ein. Ein gemütliches Pausenplätzchen, eingerahmt von jeweils einem großen Naturstein und einer Efeuhecke hatte es uns ganz besonders angetan. Auf solch idyllischen Bänken kann man die Ruhe und Besonderheit des historischen Parks genießen.
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Leicht versteckt unter dichten Bäumen steht die historische Nordische Kapelle – auch als Kapelle von wildem Holz bekannt - aus dem Jahr 1802. Sie besteht aus rohen Hölzern („wildem Holz“) und ist an skandinavische Stabkirchen angelehnt und mit einem charakteristischen Reetdach versehen. Im Inneren trägt das Gebäude den prägenden Leitspruch „Natur und Tugend führen zu Gott“.
Der Innenraum der Nordischen Kapelle präsentiert sich im Kontrast zu den rustikalen Außenwänden als schlichter, feierlicher und erhabener Ort der Stille. Das Licht fällt sanft durch die charakteristischen Spitzbogenfenster mit alter Verglasung. Die Kapelle ist sehr intim gestaltet und bietet auf festen Sitzbänken maximal 20 Personen Platz.
Der Altar im Zentrum wurde im Jahr 2017 feierlich geweiht. Ein zentrales Kunstwerk im Inneren ist ein dreiteiliges Altarbild, das den Barmherzigen Jesus zusammen mit Maria und Maria Magdalena zeigt. Für Gottesdienste und Trauungen verfügt die kleine Waldkapelle über eine eigene Orgel.
Gegenüber dem Kapelleneingang steht im Grünen eine kunstvoll gestaltete Knüppelholzbank. Gefertigt aus naturbelassenen, geschwungenen Ästen und Holzknüppeln. Die Rückenlehne ahmt die natürliche Form von miteinander verwobenen Ästen und einem dicken, astgabelartigen Mittelstück nach. Die Sitzfläche besteht aus dicht aneinandergereihten, abgerundeten Holzknüppeln.
Dies ist nicht die einzige auffällige Bank in diesem Park. Eine weiße Gartenbank im Landhausstil (oft auch als Friesenbank oder Hochzeitsbank bezeichnet), ist ein weiterer Blickfang. Der Rückenteil der Bank erhält durch das eingearbeitete Rautenmuster und die zwei ausgeschnittenen Herzen eine besonders romantische Note.
Die große Verlobungsbank ist eine außergewöhnlich lange, weiß lackierte Bank, deren Rückenlehne durch dekorative, geometrische Holzverstrebungen in Rauten- Dreiecksformen verziert ist. Der Name „Verlobungsbank“ geht traditionell auf romantische Treffpunkte in herrschaftlichen Gärten zurück, an denen Paare ungestört verweilen und die Aussicht genießen konnten.
Idyllisch eingebettet steht eine besondere Zitat-Bank. Sie zeigt eine Inschrift mit den vier bekannten Zeilen aus Friedrich Schillers Gedicht „Der Herbst“. - Obwohl zahllose Samen im Herbst zu Boden fallen und der Großteil davon unbenutzt in die Erde zurückkehrt, reicht bereits ein einziger erfolgreicher Keim aus, um neues, vielfältiges Leben zu erschaffen -.
Auf einer weiteren Bank sind zwei Inschriften angebracht, die denselben Spruch einmal auf Altgriechisch und einmal auf Plattdeutsch wiedergeben. Der Spruch soll im übertragenen Sinne aussagen, dass der Mensch erst durch das Bewältigen von Herausforderungen, Krisen und harten Erfahrungen im Leben an Reife, Charakter und Weisheit gewinnt.
Solche Bänke mit Symbolcharakter und/oder romantischen Schriftzügen sind beliebte Fotomotive.
Haben wir bis jetzt einen wunderschönen Landschaftspark erkundet, geht es für uns nun auf den Manninga-Berg – benannt nach dem früheren ostfriesischen Häuptling Unico Manninga (1529-1588). Es ist eine künstliche Erhebung im Landschaftspark. Die Erde wurde bei Aushebungsarbeiten für die Teiche und Gräben im Park aufgeschüttet. Der Berg ist genau 11 Meter über dem Meeresspiegel, womit er zu den höchsten Erhebungen der flachen Region gehört. 
Auf der Spitze steht ein echtes Gipfelkreuz, das oft als das Erste und einzige seiner Art in Ostfriesland bezeichnet wird. Der Weg führt auf einem geschwungenen, schattigen Waldpfad steil nach oben.
Das Sonnenlicht bricht teils durch das dichte Blätterdach. Im unteren Bereich aus unregelmäßigen Natursteinen, weiter oben wird der Weg zu gleichmäßigeren, behauenen Steinstufen.
Von einem echten Gipfelkreuz, das genau auf 11 Metern Höhe steht, öffnet sich der Blick auf eine sonnenbeschienene Grünfläche mit dichten Büschen, Bäumen und einer kleinen, weißen Holzbrücke, die über einen kleinen Bach führt.
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Ähnlich steil und über Steinstufen führt uns ein weiterer Weg wieder hinunter in den Landschaftspark. Beide Wege sind von einem Holzgeländer gesäumt und dienen der Sicherheit und schützen vor dem Abrutschen.
Haben wir vom Manninga-Berg schon den kleinen Bachlauf gesehen, stehen wir nun direkt davor. Es ist ein ruhiger Bachlauf mit Spiegelungen von Himmel und Bäumen sowie den skurrilen Holzelementen im Wasser. Der Bach bietet ein schönes Fotomotiv, eingefasst mit einem üppig grünen Ufer mit Farnen.
Im Hintergrund sieht man auf die Carolineninsel, die einem dichten Baumbestand aufweist, darunter eine charakteristische Trauerbuche. Dieser historische Teil beherbergt das Carolinendenkmal, das an die jung verstorbene Tochter des Parkschöpfers erinnert.
In diesem Landschaftparkt werden durch unterschiedliche Wasserläufe und kleine Seen der Eindruck ständig neuer Perspektiven und naturhafter Stimmungen erzeugt. Die Bosse-Hütte liegt idyllisch am Großen Teich im südlichen Bereich der weitläufigen Parkanlage. Es ist ein malerischer, reetgedeckter runder Unterstand.
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Die offene Holzkonstruktion erinnert an tropische Bauten, während der sandige Boden im Inneren eine besondere Atmosphäre erzeugt. Die runde Holzhütte wurde zu Ehren des Oldenburger Hofgärtners Carl Ferdinand Bosse errichtet, von dem man annahm, dass er dem Parkschöpfer Edzard Mauritz zu Inn- und Knyphausen um 1790 beraten hat. Als Teil der historischen Parkarchitektur steht der Pavillon heute als Baudenkmal unter Schutz.
 Im Gras, vor einer dichten Rhododendrenhecke platziert, steht der sogenannte „Fürstenstein“. Es ist ein historischer Gedenkstein mit waidmännischer Bedeutung und erinnert an Edzard Fürst zu Inn- und Knyphausen (1827–1908). An genau dieser Stelle soll der Fürst am 12. Dezember 1907 seinen letzten Hasen oder Fasan geschossen haben. Nur wenige Wochen später verstarb der Herr von Lütetsburg. Seine Ehefrau ließ den Gedenkstein zum Andenken an ihn aufstellen. Der Stein ist mit den Initialen des Fürsten sowie einer Fürstenkrone verziert. Der Titel war historisch bedeutend, da ihm der erbliche Fürstentitel erst im Jahr 1900 von Kaiser Wilhelm II. verliehen worden war.
Der Begräbniswald „Waldfrieden Schloss Lütetsburg“ grenzt direkt an den kostenpflichtigen Schlosspark, sodass wir ihn bei unserem Parkrundgang auch einen Besuch abstatten. Dieser Begräbniswald bietet die Möglichkeit für naturnahe Urnenbestattungen am Rande des historischen Schlossparks.
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Dort sind Urnenbeisetzungen am Fuße eines Baumes an Einzel-, Familien- oder Gruppenbäumen möglich. Der Begräbniswald zeichnet sich dadurch aus, dass außer der am Baum befindlichen Tafel keine weiteren Grabmale vorgesehen sind. Der Wald bleibt somit in seinem natürlichen Zustand vollkommen erhalten. Für Trauerfeiern gibt es einen gestalteten Andachtsplatz im Freien mit Sitzbänken.
Unser Parkspaziergang führt uns wieder zurück zu den wuchtigen historischen Torpfeilern des Ein-/Ausgangsbereichs, das die weitläufige Parkanlage des Schlosses markiert. Ein ländlicher Weg mit üppigen Hortensien am Wegesrand und einer gegenüberliegenden Streuobstwiese führt direkt zum Drehkreuz am Eingang.
Bevor wir den Landschaftsgarten verlassen, gehen wir noch durch diese traditionelle Streuobstwiese. Sie befindet sich zwischen dem vorderen Teil des Schlossparks und dem hinteren Teil mit altem Baumbestand. Im Rahmen einer leichten Umgestaltung des Schlossparks wurde 2016 eine Streuobstwiese mit alten, traditionsreichen Obstsorten angelegt. Hier befand sich auch ursprünglich eine Obstwiese – Restbestände der alten Obstbäume stehen noch heute hier. Bei den neu gepflanzten Bäumen handelt es sich um sehr alte Sorten, die seit über 100 Jahren bekannt sind, darunter die
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Birnensorten Kaiser Alexander, Gräfin von Paris etc. und die Apfelsorten Kaiser Wilhelm, Herzog von Cumberland u.v.m. Viele alte Apfelsorten lösen bei Allergikern keine oder deutlich schwächere Reaktionen aus. Der Grund dafür ist ein hoher Anteil an Polyphenolen (natürlichen Pflanzenstoffen), die in modernen Supermarktsorten weitgehend herausgezüchtet wurden.
 Mit dem Gang durch die Streuobstwiese haben wir auch wieder den Ausgang der reizvollen Parklandschaft erreicht. Am Ein/Ausgangs-Drehkreuz liegt das Schlossparkcafé. Als Abschluss unseres Spaziergangs entschließen wir uns zu einer Rast unter alten Bäumen auf der großen Außenterrasse.
Aufgrund der schon sehr heißen Temperaturen haben wir uns – statt Kaffee und Kuchen – für einen „Parksalat im Glas“ entschieden. Es handelt sich dabei um knackig, frisch zubereitete Salatsorten, die modern geschichtet im Glas serviert wurden. Ein kühles Getränk rundete den Aufenthalt ab.
Wer die Natur in allen Fassetten liebt, für den ist der Schlosspark auch außerhalb der Rhododendronblüte eine top Sehenswürdigkeit und ein gartenarchitektonisches Juwel. Wenn wir es einrichten können, kommen wir hoffentlich noch einmal zurück in den Park, wenn er seine Rhododendronblüte zeigt.
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